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Kategorie: Aha interviewt... Veröffentlicht am 26. März 2011

Aha Magazin | Aha Magazin | Heft 67 | Aha interviewt... Nicolas CageEr wurde als Nicolas Coppola geboren, legte sich aber den Namen Cage zu, um nicht in den Schatten seines berühmten Onkels Francis Ford Coppola gestellt zu werden. Das ist ihm gelungen, denn heute gehört der 46-Jährige zu den populärsten Schauspielern des amerikanischen Kinos. Ernste Rollen wie als Alkoholiker in „Leaving Las Vegas“ – wofür er einen Oscar bekam – meistert er dabei ebenso wie Actionrollen, etwa in den Kinoknallern „Con Air“, „The Rock“ oder „Das Vermächtnis der Tempelritter“. Ein weiteres Werk dieser Machart ist auch „Duell der Magier“ mit Cage als zerzaustem Zaubermeister. Wir trafen den Hollywoodstar zum Interview in Barcelona.

Ricore: Inspirationsquelle für „Duell der Magier“ war Johann Wolfgang von Goethes „Der Zauberlehrling“. Haben Sie seine Ballade gelesen?

Nicolas Cage: Es ist ja nur ein sehr kurzes Gedicht, mit dem ich mich schon vor Jahren auseinandergesetzt habe, weil ich Goethe für ein großes Genie halte. Aber unser Film hat dann doch mehr mit Micky Maus aus Walt Disneys „Fantasia“ zu tun. Diese zehnminütige Trickfilmsequenz brachte uns erst auf die Idee, „Duell der Magier“ zu drehen und eine ganz neue Geschichte darum zu spinnen.

Ricore: Aber Sie haben es bestimmt sehr genossen, nun selbst einen großen Zauberer zu spielen...

Cage: Filme an sich sind große Magie, und damit meine ich nicht nur die Tricks, mit denen sehr viel auf die Leinwand gezaubert werden kann. Ich weiß noch, wie ich als junger Mann „Jenseits von Eden“ entdeckt habe. James Deans Schauspielkunst hat mich dermaßen bewegt, dass mir dadurch erst die magische Kraft bewusst wurde, die von Schauspielern ausgehen kann.

Aha Magazin | Aha Magazin | Heft 67 | Aha interviewt... Nicolas CageRicore: Ein magischer Moment, der Ihr Leben verändert hat?

Cage: Der magischste Moment meines Lebens war sicherlich ein ganz anderer und hat eine so tiefe persönliche Bedeutung für mich, dass ich darüber öffentlich nicht reden möchte. Aber ich weiß noch, dass ich schon als Sechsjähriger überlegte, wie man in den Fernseher hineinkrauchen könnte, um mitzumachen. Ich glaube, das war ein erster Moment, der mich in die Richtung brachte, irgendwann Filmschauspieler zu werden. Als ich dann als 15-Jähriger die Szene aus „Jenseits von Eden“ erlebte, in der James Dean versuchte, seinem Vater Geld zu geben, das er jedoch ablehnte, war ich emotional so dabei, dass ich von diesem Moment an wusste, was ich mal werden möchte.

Ricore: Früher hätten Sie den Zauberlehrling gespielt und nicht den Meister. Wer war eigentlich Ihr großer Meister?

Cage: Wenn man das so vergleichen möchte, übernahm sicherlich mein Vater August Coppola diese Rolle. Er hat mich viel gelehrt und spornte mich immer wieder an, meiner eigenen Vorstellungskraft zu glauben. „Duell der Magier“ darf man gern als Liebeserklärung an meinen Vater verstehen. Er hatte auch diese wilde Haarpracht und sah damit aus wie ein Dirigent oder ein verrückter Wissenschaftler. Deshalb verpassten wir meiner Figur, Balthazar Blake, einen ähnlichen Look.

Aha Magazin | Aha Magazin | Heft 67 | Aha interviewt... Nicolas CageRicore: Was hat Ihnen an Ihrem Vater als Kind besonders gefallen?

Cage: Mein Vater hat sich nie viel aus Geld gemacht und legte mehr Wert darauf, junge Menschen zu inspirieren und zu ermutigen, ihre Chancen wahrzunehmen. Deshalb bin ich heute selbst sehr bedacht darauf, Hilfsorganisationen zu unterstützen, die sich für Kinder einsetzen. Ich führe das weiter, was mein Vater angefangen hatte, und ich glaube, er wäre sehr stolz auf mich.

Ricore: Als UN-Botschafter nahmen Sie kürzlich an einer Reise nach Ostafrika teil, bei der es um Kindersoldaten, Menschenhandel und Drogensucht ging. Das muss sehr bewegend gewesen sein...

Cage: Ja, aber das ist ein ganz anderes Thema und man könnte darüber so viel erzählen, dass unsere Interviewzeit dafür nicht ausreichen dürfte. Nur so viel: Es war eine ziemlich intensive Erfahrung und ich traf viele Kids, die durch die Hölle gegangen sind.

Ricore: Bestimmen Sie immer selbst, wie Sie in einem Film aussehen möchten?

Cage: Das Kostüm wurde von Michael Kaplan entworfen, mit dem ich eng zusammenarbeite. Wir sind uns über ein passendes Outfit für meine Figur schnell einig geworden, und es grenzt auch schon an Magie, denn im ersten Moment wirkt Balthazar Blake fast schon ein bisschen schäbig und im nächsten wieder sehr elegant.

Ricore: Warum tragen Sie in Ihren Filmen so gern Haarteile und Perücken?

Cage: Weil ich nur die Haare habe, mit denen ich geboren wurde, und sie nicht von einer Rolle zur nächsten lang wachsen lassen kann. Das würde doch Monate dauern. Außerdem gehöre ich zu den Schauspielern, die kein Problem damit haben, sich Perücken aufzusetzen. Das machen mehr, als man denkt. Nicht ich als Nicolas Cage soll im Vordergrund stehen, sondern die Figur, die ich spiele. Warum soll man nicht alles nutzen, um eine Figur zum Leben zu erwecken?

Aha Magazin | Aha Magazin | Heft 67 | Aha interviewt... Nicolas CageRicore: Wobei Balthazar Blake ein ziemlich grimmiger Geselle ist...

Cage: So düster empfinde ich ihn gar nicht, aber ich wollte die Rolle schon mit Ecken und Kanten spielen, weil ich weiß, dass Regisseur Jon Turteltaub mehr die lustigen Elemente einbringt. Insofern haben wir uns gut ergänzt, so dass letztendlich eine interessante Figur dabei herauskommt.

Ricore: Haben Sie eigentlich selbst ein paar kleine Zaubertricks auf Lager?

Cage: Die Welt der Magie ist letztendlich eine Welt der Illusionen, und jedes Kind ist damit zu begeistern. Trotzdem habe ich keine Ahnung von Zaubertricks. Ich kann leider keinen einzigen Trick vorführen.

Ricore: Ihre Mutter Joy Vogelsang stammt aus Rheinland-Pfalz, weshalb Sie schon vor Jahren die deutsche Sprache lernen wollten. Wie weit sind Sie damit?

Cage: Ich muss mich entschuldigen, dass ich das immer noch nicht geschafft habe. Mir fehlt einfach die Zeit, obwohl ich es immer noch vorhabe.

Ricore: Ein Grund dafür war ja auch Ihr Schloss Etzelwang in der Oberpfalz, das Sie allerdings wieder verkaufen mussten...

Cage: Ja, obwohl ich es gar nicht wollte. Aber es bringt nichts, hier zu sitzen und sich zu beschweren. Es ist nun mal so und vielleicht kann ich es mir eines Tages zurückkaufen.

Ricore: Drei bis vier Filme drehen Sie mindestens pro Jahr und gehören damit zu den fleißigsten Hollywoodstars. Nimmt Ihnen das Ihre Familie nicht übel?

Cage: Dankenswerterweise ist meine Familie fast immer bei mir, wenn ich arbeite. Aber das wird sich jetzt leider ändern, denn unser Sohn Kal-El wird dieses Jahr eingeschult und wird dann nicht mehr so viel herumreisen können.

Aha Magazin | Aha Magazin | Heft 67 | Aha interviewt... Nicolas CageRicore: Aber er wird sich sicherlich für „Duell der Magier“ begeistern können. Mal ehrlich, haben Sie diesen Film nicht letztendlich auch für ihn gemacht?

Cage: Für mich hat der Film eine Botschaft, die jeder Vater seinem Kind weitergeben möchte, nämlich dass man lernen muss, an sich selbst zu glauben. Das kommt wunderbar in den Dialogen zur Geltung, wenn Balthazar seinen Lehrling Dave Stutler ermahnen muss, sich nicht immer so viel Sorgen zu machen, sondern anzufangen, an sich selbst zu glauben. In einer anderen Szene wird gesagt, dass wir die Zeit nutzen sollten, die uns mit den liebsten Menschen um uns herum zur Verfügung steht und die ja nur begrenzt ist. Ich finde, diese Botschaften machen aus „Duell der Magier“ einen guten Familienfilm. Der Film ist nicht nur witzig und mit tollen Effekten ausgestattet, sondern er besitzt auch viel Herz.

Ricore: Wäre der Film in 3-D nicht noch effektvoller gewesen?

Cage: Die neue 3-D-Technologie ist schon ziemlich faszinierend, zumal ich immer offen bin für alles, was beim Film neu ist. 3-D kam ja schon in den 1950ern auf, doch damals funktionierte das nicht wirklich. Heute ist das anders und auch ich mache gerade Erfahrungen mit meinem ersten 3-D-Film „Drive Angry“. Wir haben versucht, einiges damit auszuprobieren. In einer Szene strecke ich sogar meine Zunge in Richtung Kamera heraus, um zu sehen, ob ich damit in die erste Zuschauerreihe gelangen könnte. Ich weiß aber nicht, ob diese Szenen alle in den fertigen Film kommen.

Ricore: Man trifft Sie in superteuren Filmspektakeln wie „Duell der Magier“ und auch in kleineren Filmprojekten wie „Bad Lieutenant“. Wie wichtig ist Ihnen diese Bandbreite?

Cage: Sehr wichtig, und ich mache bei meiner Arbeit als Schauspieler überhaupt keinen Unterschied, wie viel Geld hinter einem Projekt steht. Ich versuche, stets mein Bestes zu geben. Meine Wurzeln liegen natürlich in kleinen, unabhängigen Filmprojekten, aber ich bin genauso an großen Familienfilmen interessiert. Ich freue mich vor allem, wenn Kinder dabei genauso viel Spaß haben wie ihre Eltern. Deshalb werde ich auch weiterhin abwechselnd große und kleine Filmprojekte annehmen.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.



Markus Tschiedert
Foto: Walt Disney

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